Was nützen „natürliche Cholesterinsenker“?


Hier eine Zusammenfassung eines Artikels, verständlich zu lesen aus dem medizinischen Fachjournal „Cardio News 07/08.2018 I 21. Jahrgang:

 

Bei Menschen mit Unverträglichkeiten für die sogenannten Statine (Medikamentengruppe zur Senkung des Cholesterinspiegels) können natürliche Cholesterinsenker hilfreich sein. Dies gilt meines Erachtens auch für alle anderen Menschen, die zur primären Prävention etwas gegen ihren zu hohen Cholesterinspiegel machen möchten.

Experten haben dazu folgende Empfehlungen ausgesprochen: 

 

Natürliche Cholesterinsenker sind überwiegend sicher und gut verträglich.

 

Vorn in den Empfehlungen steht Roter Reis. Dabei handelt es sich um rot fermentierten Reis auch „Rotschimmelreis“ genannt. 1200 -1400 mg/d eingenommen als Nahrungsergänzungsmittel kann eine Senkung des LDL-Cholesterinspiegels von 15-25 % bewirken und erhält eine Klasse-1A-Empfehlung. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die typischen unter Statinen zu beobachtenden Nebenwirkungen auch beim Verzehr von Rotschimmelreis auftreten können (weil der Inhaltsstoff Monacolin K chemisch identisch zum Lovastatin ist). Wichtig ist noch, dass die Kapseln kein Citrinin enthalten sollten, ein toxisches Nebenprodukt des Fermentationsprozesses. Deshalb muss man darauf achten, nur hochgereinigte und zertifizierte Präparate von guter Qualität einzunehmen.

 

Omega-3-Fettsäuren haben nur einen geringfügigen Effekt auf das LDL-Cholesterin (Senkung von 3-7 Prozent). Einen besseren Einfluss hat es auf die Senkung der Triglyceride. Auch hier muss auf die Qualität der Kapseln geachtet werden, da sie bei schlechter Produktion Quecksilber oder Digoxin enthalten können. Nichts desto trotz haben Omega 3-Fettsäuren wichtige protektive Eigenschaften für den menschlichen Organismus, aber eben nicht so effektiv in Bezug auf die Cholesterinsenkung.

 

Eine dritte Gruppe sind Phytosterine. Dies sind bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe, die in sehr fettigen Pflanzenteilen vorkommen und heutzutage in bestimmten Margarinen und Joghurtdrinks beigemischt sind. Sie haben eine gute LDL-Cholesterin senkende Wirkung (7-10 Prozent bei einer Einnahme von 800-2400 mg pro Tag). Menschen mit normalem Cholesterinspiegel sollten diese Produkte allerdings nicht verwenden. Ebenso gibt es Menschen, die Phytosterol nicht ordnungsgemäß ausscheiden können. Diese Menschen haben sogar ein erhöhtes Atherosklerose-Risiko, wenn sie diese Lebensmittel einnehmen.

 

Zitrusfrüchte (speziell die Bergamotte) und Sojaprodukte gelten ebenfalls als natürliche Cholesterinsenker (Bergamotte 500-1500 mg/Tag, Soja 25-100 mg/Tag). Dabei weißt die Bergamotte ein sehr gutes Wirkungs- und Sicherheitsprofil auf bei Patienten mit Fettstoffwechselstörungen und anderen Herzkreislauferkrankungen. Die Zitrusfrucht soll sogar das Potential haben, das kardiovaskuläre Gesamtrisiko senken zu können. Demgegenüber scheint der ständige Verzehr von Sojaprodukten nicht ganz so bedenkenlos zu sein. Es gibt Hinweise darauf, dass die in Soja enthaltenen Isoflavone die Schilddrüsenfunktion und die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen können.

 

Artischockenpräparate und Spirulina-Algen haben bisher in Untersuchungen noch nicht mit klaren positiven Wirkungen überzeugen können.

 

Derzeit versucht auch die Mikrobiom-Forschung mit Bakterienkulturen den Cholesterinspiegel zu senken. Symbiolact Cholesterin control verspricht eine effiziente Cholesterinsenkung durch Bindung des Cholesterins im Darm an bestimmte Laktobazillen und dadurch zu erzielende Senkung des Cholesterinspiegels im Blut. Ich versuche gerade in meiner Praxis damit Erfahrungen zu sammeln und suche noch Patienten, die dieses Produkt für 3 Monate testen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

 

Bezüglich der anderen oben beschriebenen Mittel bin ich der Überzeugung, dass es derzeit leider kein wahrhaft überzeugendes Produkt auf dem Markt gibt. Sicher ist der fermentierte rote Reis eine Option, aber in seinem Wirkmechanismus entspricht er ziemlich genau den auf dem Markt befindlichen Statinen, die ja von vielen Patienten so gefürchtet sind. Ich empfehle meinen Patienten ausreichend Sport und Bewegung, eine gesunde, eher kohlenhydratreduzierte Kost und dann unter Abwägung der Begleiterkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes, Arteriosklerose), bekannter Risikokonstellationen (Rauchen, familiäre Erkrankungen…)  und der sichtbaren Veränderungen (Untersuchung der Halsschlagadern) den gezielten Einsatz von Cholesterinsenkenden Pharmaka. Solange es um Primärprävention geht, kann man sicher und gern mit alternativen Mitteln arbeiten, sollte jedoch bereits ein Schlaganfall oder eine Verkalkung der Herzkranzgefäße vorliegen, würde ich immer zu einem geprüften chemischen Cholesterinsenker tendieren, auch wenn ich bei meinen Patienten, Freunden und auch bei mir selbst eigentlich noch so gern ohne diese Medikamente auskäme, aber aus medizinischer Sicht ist es in dieser Situation wirklich fahrlässig, auf diese Therapiemaßnahme zu verzichten.

 

Für das tägliche Leben sollten die oben als Präparate aufgeführten Lebensmittel als frisch zubereitete Nahrungsmittel auf Ihrer Mahlzeitenliste stehen. Sie erreichen damit zwar keine therapeutischen Wirkspiegel, aber eine gesunde Basis, die im Zusammenspiel mit anderen protektiven Verhaltensweisen (Sport, Entstressen, ballaststoffreiche, kohlenhydratarme Ernährung) die Grundlage dafür bilden, dass Erkrankungen gar nicht erst entstehen.