Sedentarismus

Nach Erhebungen deutscher Krankenversicherungen aus dem Jahr 2016 sitzen Deutsche mit Bürojobs durchschnittlich 11 Stunden pro Tag. In Deutschland arbeiten inzwischen deutlich mehr als 40 Prozent der Beschäftigten an solchen bewegungsarmen Arbeitsplätzen. Hinzu kommen lange Anfahrtswege zur Arbeitsstelle. Auch die Freizeitgestaltung ist immer öfter von Bewegungsmangel vor dem Fernseher oder dem Computer geprägt. Als gesundheitliche Folgen drohen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, ein erhöhtes Risiko für Typ-II-Diabetes, Übergewicht, Beschwerden am Bewegungsapparat durch körperliche Unterforderung und einseitige Haltungen, aber auch psychische Effekte wie depressive Verstimmungen oder Antriebsarmut.

 

Man bezeichnet diese Gruppe der Erkrankungen auch gern als „Lifestyle-Krankheiten“ bzw. chronische nicht übertragbare Krankheiten. Sedentarismus = überwiegend sitzende Verhaltensweise, ist ein eigenständiger Risikofaktor für all diese Erkrankungen. Schon mit der Einschulung wird vielen Kindern neben Lesen und Schreiben vor allem eines beigebracht: Still sitzen! Damit startet für viele eine „Sitzkarriere“, die im Erwachsenenalter ihren Höhepunkt erreicht. Aus dem Auto an den Schreibtisch und abends auf das Sofa – viele Familien verbringen so einen Großteil ihres Tages sitzend. Regelmäßige Bewegung ist jedoch für die Entwicklung eines Kindes von fundamentaler Bedeutung. Körperliche Aktivität ist essentiell für Gesundheit und Wohlbefinden. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) allen heranwachsenden Mädchen und Jungen, sich jeden Tag mindestens 60 Minuten lang moderat bis sehr anstrengend körperlich zu bewegen.

 

Dieser Richtwert wird allerdings in Deutschland nur noch von 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen im Alter von 3-17 Jahren erreicht. Das ist das Ergebnis der umfassenden „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“, KiGGS. Die Studie ist eine vom Robert-Koch-Institut seit 2003 durchgeführte Erhebung zum Gesundheitszustand der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahre. Die Langzeitdaten zeigten dabei bedenkliche Resultate:

 

-        11,1 Prozent der Mädchen und 7,0 Prozent der Jungen bewegen sich sogar an weniger als 2 Tagen pro Woche jeweils 1 Stunde aktiv

 

-        Jugendliche im Alter von 14-17 bewegen sich am wenigsten

 

-        Dabei ist die Zahl der gering aktiven Mädchen doppelt so hoch wie die der gleichaltrigen Jungen.

 

Mädchen und Jungen aus sozial benachteiligten Familien sind weniger körperlich aktiv als jene aus Familien mit einem mittleren und hohen Status.

 

Ähnliches ergab auch eine Untersuchung durch Sportwissenschaftler der Universität Heidelberg. Sie befragten 4385 Kinder und Jugendliche im Alter von 4-20 Jahren. Dabei kamen sie zu dem ernüchternden Ergebnis: Kinder und Jugendliche verbringen an Werktagen rund 10,5 Stunden und an Wochenenden 7,5 Stunden sitzend. Im Mittel sind das täglich 9,7 Stunden ohne körperliche Aktivität- das bedeutet: 71 Prozent der Zeit, in der Kinder an Werktagen wach sind, verbringen sie sitzend.

 

Auch am Wochenende verbringen sie immer noch 54 Prozent ihrer Wachzeit auf Stühlen, Sesseln, Couch oder Sofa. Fernsehen, Computerspiele, Smartphones und Spielekonsolen sind die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Der ausufernde Medienkonsum verdrängt aktivere Beschäftigungen. Auf der anderen Seite zeigt sich immer massiver, welche Auswirkungen lange Sitzzeiten auf die Gesundheit haben.

 

Das Gesundheitsrisiko durch sitzende Lebensweise lässt sich durch Zahlen untermauern. Ab etwa 8 Stunden tägliche Sitzzeit steigt das Sterberisiko deutlich an. Dies gilt sowohl für Herz-Kreiskauf-Erkrankungen, als auch für Tod durch Krebs und Diabetes mellitus.

 

Wichtig sind deshalb Strategien zur Erhöhung des täglichen Bewegungsradius eines jeden einzelnen von uns. Dies ist sowohl eine gesellschaftliche, als auch eine familiäre bzw. persönliche Aufgabe. Eltern und Großeltern sind die Vorbilder für Kinder. Lehrer, Erzieher ebenfalls.

 

Überprüfen Sie Ihren täglichen Sitz- und Bewegungszeitraum doch selbst einmal. Motivieren Sie auch Ihre Kinder dazu und entwickeln Sie Bewegungspläne, die alle motivieren und gesund erhalten.

 

Ob draußen oder drinnen, im Verein, Studio oder mit Freunden. Bewegung sorgt für ein langes Leben in Gesundheit!

 

In diesem Sinne freuen Sie sich auf jeden Meter.