Schädigt Übergewicht das Gehirn?

(Artikelgrundlage Beitrag aus der Ärztezeitung 3-60 vom 11./12. Januar 2019)

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Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Adipositas und einem geringeren Volumen an Grauer Substanz gefunden. Bei adipösen Menschen kann das Gehirn in bestimmten Bereichen geschrumpft sein. Das berichten britische Forscher. Sie stellten fest, dass der Effekt vor allem bei Menschen mit stammbetonter Adipositas festzustellen ist.

 

Es ist allerdings bisher unklar, ob das Übergewicht die Hirnveränderungen auslöst – oder ein verändertes Gehirn die Entstehung von Übergewicht begünstigt. Die Forscher um Professor Mark Hamer von der Loughbonough-Universität analysierten, wie sich Übergewicht speziell auf die Graue Substanz im Gehirn auswirkt. Die Forschung hat eine Schrumpfung des Hirns mit einem Verfall des Gedächtnisses und einem erhöhten Risiko für Demenz in Verbindung gebracht. Unklar war bislang aber, ob zusätzliches Körperfett die Gehirngröße schützt oder schädigt. Für die Studie werteten die Forscher Daten von 9652 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren aus. Von den Teilnehmern galten knapp 19 Prozent als adipös – sie hatten eine Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder höher. Die Mediziner bezogen zusätzlich den Körperfettanteil und den Taille-Hüft-Quotienten in ihre Analyse mit ein. Ferner wurden die Teilnehmer zu ihrer Gesundheit befragt. Per MRT bestimmten die Wissenschaftler dann die Gehirnvolumina für die Graue und Weiße Substanz und bezogen hier auch Faktoren ein, die Einfluss auf das Gehirnvolumen nehmen können, wie das Alter, die körperliche Aktivität, Rauchen und Bluthochdruck. 

Das zentrale Ergebnis: Menschen, die sowohl einen hohen BMI als auch einen hohen Taille-Hüft-Quotienten hatten, verfügten über ein geringeres Volumen an Grauer Substanz als die, mit einem normalen Taille-Hüft-Quotienten. Konkret stellten die Wissenschaftler fest, dass die 1291 Teilnehmer mit hohem BMI und hohem Taille-Hüft-Quotienten mit durchschnittlich786 cm³das geringste Volumen an Grauer Substanz aufwiesen. Im Vergleich dazu betrug dieser Wert bei den 3025 Menschen mit einem normalen Gewicht 798 cm³. Die 514 Teilnehmer mit einem hohen  BMI, aber normalem Taille-Hüft-Quotienten verfügten durchschnittlich über 793 cm³ Graue Substanz. Bei der Weißen Substanz waren hingegen keine Unterschiede feststellbar.