Salat- & Beerenfans bleiben im Alter länger geistig fit

(Artikel entnommen aus der Ärzte Zeitung 11./12. Januar 2019)

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Begeistern sich Menschen über Jahre hinweg für Gemüse und Obst, fühlen sie sich im Alter länger geistig auf Zack. Vor allem Salat, Tomaten, Beeren und Orangensaft gehen mit einem guten Gedächtnis einher. Ein gesunder Lebensstil, soviel ist aus unzähligen Studien klar geworden, kann die Demenzgefahr deutlich senken. Zu einem solchen Lebensstil gehört neben viel Bewegung, wenig negativem Stress und dem Verzicht auf Tabak sowie ungesunde Mengen an Alkohol auch eine hirngesunde Ernährung. Wie diese genau aussehen soll und welchen Beitrag sie zur Demenzprävention leistet, ist nach wie vor umstritten, hauptsächlich weil sich die einzelnen Lebensstilfaktoren nicht klar voneinander trennen lassen. Wer sich gesund ernährt, bewegt sich in der Regel auch mehr und führt insgesamt ein gesünderes Leben.

 

Bisherige epidemiologische Studien lieferten daher meist wenig glaubwürdige und teilweise widersprüchliche Resultate zur Bedeutung der Ernährung. Oft ist die Zahl der Teilnehmer zu gering für belastbare Aussagen, Ernährungsgewohnheiten werden nur ein einziges Mal eruiert oder die Nachbeobachtungszeit ist zu kurz. Solche Schwachpunkte konnte eine große Langzeituntersuchung von Epidemiologen um Dr. Chang Zheng Yuan von der Harvard School of Public Health in Boston weitgehend ausräumen. Das Team hatte Angaben von 28000 Männern der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) ausgewertet. Alle Teilnehmer hatten zwischen 1986 und 2002 mehrfach einen umfassenden Ernährungsfragebogen

ausgefüllt. Dabei sollten sie für 130 Lebensmittel angeben, wie häufig sie  diese konsumieren. Gefragt wurde dabei auch nach 24 Gemüse- und 13 Obstsorten sowie 5 Fruchtsaftvarianten. Die Forscher bekamen also ein relativ gutes Bild der qualitativen und quantitativen Ernährung. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer füllten den regelmäßig versandten

Fragebogen fünfmal aus. Die Forscher interessierten sich vor allem für den langfristigen Obst- und Gemüsekonsum und bildeten dazu Durchschnittswerte aus den einzelnen Erhebungen. In den Jahren 2008 und 2012 fragten sie sämtliche Teilnehmergezielt nach subjektiven kognitiven Beschwerden. An Hand von 6 Fragen berechneten sie einen Score, der die Teilnehmer in solche ohne, mit moderaten oder schwerwiegenden kognitiven Beschwerden aufteilte, auch hier wurden die Resultate beider Befragungen gemittelt. 

Zu Beginn waren die Teilnehmer im Schnitt 51 Jahre alt und bei der Einschätzung der kognitiven Beeinträchtigung 73 Jahre.

55 Prozent hatten dann noch keine subjektiven kognitiven Defizite, 38 Prozent moderate und 7 Prozent schwere.

Wie zu erwarten, hatten diejenigen mit Gedächtnisproblemen ein bis zwei Dekaden zuvor deutlich ungesünder gelebt als solche ohne. Sie hatten sich weniger bewegt, waren häufiger Raucher, hatten einen höheren Blutdruck, höhere

Cholesterinwerte und öfter eine Diabetesdiagnose, zudem waren sie zu Beginn schon wesentlich älter. Am stärksten differierte jedoch der Anteil der Depressiven: Dieser betrug 15 Prozent unter Teilnehmern, die später schwere kognitive

Probleme entwickelten, 7 Prozent bei denen ohne kognitive Beschwerden. Dabei zeigten sich auf den ersten Blick kaum Unterschiede beim Obst- und Gemüsekonsum. Diese offenbarten sich erst, wurde das anfängliche Alter und die Gesamtkalorienaufnahme berücksichtigt. Dann ließ sich für die Teilnehmer mit dem höchsten Gemüseaufkommen eine um 38 Prozent reduzierte Rate für eine moderat beeinträchtigte kognitive Funktion berechnen. In ähnlicher Weise waren die Raten bei dem höchsten Obstkonsum um 21 Prozent und 12 Prozent reduziert und beim höchsten Fruchtsaftkonsum um 35 und 26 Prozent. Berücksichtigen die Forscher sämtlich bekannte Begleitfaktoren, also etwa Rauchen, Bewegung, Alkoholkonsum, BMI, Blutdruck und Depressionen oder Herzkreislauferkrankungen, so änderte sich kaum etwas beim Zusammenhang von kognitiven Beschwerden und dem Gemüse- sowie Fruchtsaftkonsum, allerdings wurde die Assoziation mit dem Obstverzehr deutlich abgeschwächt.

Schauten die Wissenschaftler einzelne Obst- und Gemüsesorten an, deutete sich vor allem bei hohem Konsum von Blattgemüse, Karotinoid-reicher Nahrung und Beeren ein kognitiver Schutzeffekt an. Bezogen auf einzelne Nahrungsmittel galt dies primär für Tomaten, Salat, Rosenkohl, Sprossen, Paprika, Honigmelonen und Erdbeeren, nicht hingegen für stärkereiches Gemüse, Zitrusfrüchte und die meisten Kohlsorten. Wer 22 bis 18 Jahre vor der kognitiven

Evaluation (Auswertung) viel Gemüse konsumiert hatte, entwickelte unabhängig von dem, was er später aß, kaum kognitive Probleme. 

 

Darum: Start frei für Gemüse- und moderaten Obstkonsum als Hauptquelle der fit- und gesunderhaltenden Mikronährstoffe und Hauptnahrungsquelle für unsere so wichtigen Darmbakterien!