Lasst uns unsere Mitmenschlichkeit nicht verlieren!

Corona Newsletter vom 16.11.2020

Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie versprochen, lasse ich Sie in dieser schweren Zeit nicht allein, weder beruflich als Ärztin und Ernährungsmedizinerin noch als Vertrauensperson. Ich befürchte, fast jeder von uns leidet derzeit unter den Auswirkungen, die das Virus und das, was an daraus folgenden Lebensveränderungen und Informationsfluten über uns und die Welt hereingebrochen ist, hervorruft.

Und glauben Sie mir, auch ich bin jeden Tag ergriffen von den neuen Informationen, die wir verarbeiten müssen und die Einstellung zu der ganzen Problematik, die immer wieder neu in Frage gestellt und überdacht werden will.

Nein, ich gehöre nicht zu denen, die das Virus und die daraus entstehenden Erkrankungen bagatellisiert. Das verbietet mir schon mein Lebensziel, möglichst vielen Menschen zu helfen, ein erkrankungsarmes Leben zu ermöglichen. Jedes Menschenleben, das vorzeitig auf Grund einer vermeidbaren Erkrankung beendet wird, ist eines zu viel. Auch das Leid, das manche Patienten ertragen müssen, wenn sie die Infektion durchleben, ist etwas, was man möglichst vermeiden sollte. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch das unvorstellbare Leid, wenn Lebenswerke durch den Lockdown zerstört werden. Selbstständige Unternehmer, die mit viel Liebe und Energie und viel, viel Kraft und Mut Unternehmen geschaffen haben, um Menschen glücklich zu machen und Gesundheit, Erholung und Freude zu verbreiten, die jetzt vor den Trümmern ihres Lebenswerkes stehen, denn die versprochenen staatlichen Zuschüsse werden für einen Großteil von ihnen die anfallenden Kosten nicht decken. Und viele Menschen leiden unter der Einsamkeit und Isolation, den Ängsten, die verbreitet werden und der Hilflosigkeit demgegenüber.

Was mich augenblicklich allerdings am allermeisten erschreckt, ist die Brutalität und Rücksichtslosigkeit, mit der die meisten Menschen ihre Haltung, ihren Anspruch und ihre Einstellung zu diesem Problem verbreiten, dieser Hass, dieses „Jetzt erst recht ohne Schutz“, Massendemos auf der einen Seite und Beschimpfungen, wenn man ohne Korb in den Supermarkt geht auf der anderen Seite.  Wo bleibt da das Miteinander? Wo bleibt die Einsicht, dass die Menschen aus Mitmenschlichkeit füreinander da sein und aufeinander Rücksicht nehmen sollten? Stattdessen driften wir immer mehr auseinander. Schreibt jemand etwas zu diesem Thema oder sagt öffentlich seine Meinung, hören die meisten sowieso nur darauf, ob der Inhalt etwas enthält, das seiner Meinung entspricht oder ob es sich um einen „Feind“ handelt, den man erstmal verbal niedermachen muss. Es erschreckt mich, die Facebook Kommentare zu lesen, wenn jemand wagt, seine Meinung zu posten. Es erschreckt mich, wie schnell die Diskussionen zu diesem Thema außer Kontrolle geraten, laut, emotional oder unsachlich werden.

Wo ist es denn, das so oft in diesen Tagen gerufene „Wir sind das Volk“ in unseren wahren Handlungen? Wo ist das „Ja“ zum Miteinander, das uns stärkt und weiterentwickelt?

Und ehrlich gesagt, ich weiß gar keine Lösung für dieses Problem. Auf der einen Seite wünsche ich mir sehr, dass unsere Politiker ein bisschen besser beraten werden würden und mehr differenzieren würden, was wirklich eingeschränkt werden muss und was nicht. Ich denke eigentlich, dass wir gar nicht viele Verbote bräuchten, wenn, ja jetzt kommt es, wenn wir Menschen nicht so egoistisch und eingebildet wären, dass wir glauben, nur weil die Bombe nicht genau in unserer Straße einschlägt, gibt es sie nicht. Würden sich alle so verhalten, als wäre die Gefahr im Alltag präsent, dann könnte man viel mehr zulassen. Zum Beispiel Abstand zu Fremden (auch gern mit Mund-Nasenschutz) in der Öffentlichkeit, zu Hause bleiben, wenn man Erkältungssymptome verspürt, deutlicher Abstand bzw. Vorsichtsmaßnahmen mit effektiven Schutzmasken beim Umgang mit kranken oder gefährdeten Mitmenschen , präventive Tests bei nicht zu vermeidenden engen Kontakten und nicht zu vergessen, ein gesunder Umgang mit uns selbst. Gesundes Essen, ausreichend Bewegung mit moderatem Kraft-Ausdauertraining und regelmäßige Entspannungsphasen, ausreichender Nachtschlaf, das Meiden schädlicher Substanzen wie Nikotin, Drogen, Alkohol oder Fast Food bzw. ungesunder Lebensmittel. Tja, wären nicht so viele Menschen in unserer Gesellschaft wohlstandskrank, dann würden wir auch mit bedeutend weniger schweren Verläufen rechnen müssen.

Ich denke auch, Unternehmen, die sich um die Gesunderhaltung der Menschen bemühen und vielen Menschen helfen, Krankheiten zu überwinden und einen gesunden Lebensstil zu führen, wie Fitness- und Gesundheitsstudios, sollten nicht geschlossen werden. Ist diese Art der Prävention nicht die wertvollste, die wir langfristig haben? Die Menschen, die diese Einrichtungen nutzen, haben verstanden, worauf es ankommt, geben für ihre Gesundheit und Vitalität Geld aus, weil sie begriffen haben, dass Gesundheit, Vitalität und Lebenskraft die bedeutendsten Werte für jeden Menschen darstellen, denn ohne diese Dinge verlieren wir unsere Selbstwirksamkeit und die Fähigkeit, für uns und unsere Mitmenschen zu sorgen.

In diesen Einrichtungen achten die Mitglieder auf sich. Niemand, der sich erkältet fühlt, geht zum Sport. Geräte werden nach der Benutzung mit Desinfektionsmitteln gereinigt. Diese Regeln gab es schon weit vor der derzeitigen Situation.

Menschen fühlen sich sicherer und geschützter, wenn sie selbst etwas für sich und ihre Gesundheit tun können. Sie sind es ehrlich gesagt auch.

Ich möchte Sie deshalb bitten zu versuchen, nicht in Panik zu verfallen, sondern lieber Ihre Kräfte auf die Möglichkeiten zu konzentrieren, die Sie selbst haben, sich um sich und Ihre Gesundheit zu kümmern. Angst bedeutet Stress und Stress stört unsere Immunreaktion aber auch unsere Leistungs- und Erholungsfähigkeit. Stress lässt uns ungerecht und unfair unseren Mitmenschen gegenüber werden. Stress schadet unserer Gesellschaft und Mitmenschlichkeit und gerade die brauchen wir jetzt. Nehmen Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand und schützen Sie Ihre Mitmenschen so gut es geht.

Zusammen sind wir stark!

In diesem Sinne sende ich Ihnen mit diesem Newsletter motivierende Grüße!

 

Ihre Dr. Kathrin Prax