Resilienz – das Immunsystem für unsere Psyche – Wie stärken wir uns?

Sich stärken, darunter verstehen die meisten Menschen wahrscheinlich in erster Linie, ihre körperliche Kraft zu optimieren, Muskeln aufzubauen. Nach einer kurzen Bedenkzeit kommen dann viele auch noch auf den Gedanken, dass es bedeutsam ist, sein Immunsystem zu stärken, um gegen Krankheitserreger antreten zu können und gesund zu bleiben.

Die wenigsten denken dabei wahrscheinlich an die Stärkung ihres Geistes und ihrer mentalen Kräfte. Und so verwundert es nicht, dass psychische Erkrankungen und mentale Erschöpfungszustände in unserer heutigen Zeit ein wahres Gesundheitsproblem geworden sind.

Dabei gehören Stress, Probleme, Schicksalsschläge, Krankheiten oder Krisen zu unserem Leben dazu und sind keine Fehler, die nicht passieren dürfen. Aber es wichtig, dass wir einen möglichst guten Umgang mit diesen Bestandteilen unseres Lebens erlernen. Die Fähigkeit, mit solchen Dingen gut fertig zu werden und daran nicht zu leiden, sondern eher zu wachsen, bezeichnet man als Resilienz. Sie ist das Immunsystem unserer Psyche. So wie Bakterien und Viren unser körperliches Immunsystem herausfordern, so belasten Stress und Probleme unser psychisches Immunsystem. Es gibt bestimmte Schutzfaktoren, die uns negative Erlebnisse besser verarbeiten lassen und verhindern, dass es zu einer dauerhaften Störung oder Überlastung unserer geistigen und mentalen Leistungsfähigkeit kommt.

 Die Bestandteile einer guten Resilienz bestehen aus den folgenden Einheiten:  Akzeptanz – Verantwortungsübernahme – Lösungsorientierung – Optimismus – Selbstwirksamkeit – Zukunftsorientierung – Netzwerkorientierung – Erholung.

Es lohnt sich für jeden Menschen, an diesen einzelnen Einheiten zu arbeiten, denn Resilienz kann man erlernen und fördern. Jemand, der schon in seinen Kindestagen viel Kummer und Probleme erfahren hat, ohne jemanden an seiner Seite gehabt zu haben, der ihm das nötige Urvertrauen in sich selbst , bestehend aus diesen 8 Einheiten mitgeben konnte, wird es im Leben schwerer haben, sich an Erfolgen und positiven Erlebnissen aufzubauen, um die schwierigen Zeiten gut zu durchschiffen. Resiliente Menschen reagieren weniger empfindsam auf Belastungen. Sie übernehmen Verantwortung für sich, ihre Bedürfnisse und ihre Zukunft. Das bewusste Erleben von Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen stärkt diese Fähigkeit ungemein. Sie befähigt uns, Verantwortungsbewusstsein zu übernehmen. Dieses gibt uns Kraft, Dinge beeinflussen zu können und wir fühlen uns damit nicht mehr der Situation hilflos ausgeliefert. Resilienz kann man in jedem Alter entwickeln und stärken. Verantwortungsbewusstsein ist dabei sehr wichtig, denn wir verlieren dadurch das Gefühl der hilflosen Opferrolle. Wir müssen nicht darauf hoffen, das Dinge sich ändern, sondern wir können selbst etwas für die Veränderung unserer Lage tun. Und das können wir wirklich fast immer. Nehmen wir doch noch einmal das aktuelle Problem in die Hand: Selbstschutz in Coronazeiten. Nicht mit Chipstüten auf der Couch liegen und depressiv in den Fernseher schauen, nein lieber Bewegung ins Leben bringen, Dinge tun, für die man sich sonst nie Zeit genommen hat, vorarbeiten für die Zeit, wo wir uns wieder auf Reisen begeben können und Freunde treffen werden oder auch nacharbeiten, Fotoalben welch schöne Weihnachtsgeschenke, die nächsten Urlaubsziele heraussuchen und sich informieren, was es alles Sehenswertes auf dieser Welt gibt, mal darüber nachdenken, mit welchen einfachen Mitteln jeder persönlich in Zukunft die Umwelt ein wenig schützen kann, mal überlegen , wie man effektiver und gesünder kocht, neues ausprobieren, raus gehen und schöne Waldspaziergänge machen.

Bei Krankheiten können wir den inneren Arzt durch Meditation und eine gesunde Lebensweise stärken. So brauchen wir weniger Medikamente mit schädigenden Nebenwirkungen. Auch finanzielle Nöte kann und muss man angehen. Während es bei kleineren, vorübergehenden vielleicht reicht, einfach mal wirklich ganz auf teurere Produkte zu verzichten, was nicht heißt, dass man ungesund leben muss, kann es bei größeren finanziellen Missständen schon wirklich existentiell werden. Aber auch da hilft es uns nicht weiter, in der Opferrolle zu verharren, sondern lieber den Schritt nach vorn zu wagen mit guter Beratung und einer Vertrauensperson, die mit uns diese Zeit durchsteht. Letzten Endes hat uns niemand gezwungen, unsere Existenz auf die Beine zu stellen, auf denen sie heute steht, also liegt es auch in unserer persönlichen Verantwortung, uns gegebenenfalls umzuorientieren, wenn unser Lebenswerk nicht mehr funktioniert.

Vielleicht können wir oder zumindest die Menschen, die wissen, dass sie psychisch überlastet sind und ihre Ressourcen zunehmend abbauen, sich für das nächste Jahr vornehmen, an den 8 Einheiten der Resilienz Stück für Stück zu arbeiten, um so ihre geistige Immunität und Widerstandskraft zu stärken. Fangen wir doch einfach damit an, uns jeden Monat einen Baustein herauszugreifen und 3 oder 4 Kleinigkeiten in unserem Leben zu ändern, um diese mentale Kraft zu nutzen. Schreiben Sie sich Möglichkeiten auf, die für Sie eine Verbesserung der jetzigen Situation bedeuten.

Hier einige Beispiele: Zukunftsorientierung: legen Sie langfristige und kurzfristige Ziele in Ihren privaten und sozialen Bereichen fest, die Sie erreichen möchten und mit denen Sie sich besser fühlen würden. Zum Beispiel mehr Leistungsfähigkeit, besserer Schlaf, ein besseres Vater-Sohn-Verhältnis, je nachdem, mit welchen Dingen Sie in Ihrem persönlichen Leben unzufrieden sind. Und machen Sie sich dazu dann Gedanken, mit welchen Schritten Sie diese Verbesserungen erreichen können. Danach fangen Sie mit einzelnen Punkten an. Nehmen Sie sich immer wieder kurze Augenblicke, um wahrzunehmen, welche Selbstwirksamkeit Sie gerade erzielt haben und wie es Ihnen damit besser geht, denn diese Achtsamkeit ist eine ebenso wichtige Einheit in unserem System. Unser Sein ist darauf ausgerichtet, Gefahren zu verhindern und rechtzeitig zu erkennen. Wir sollten aber ebenso darauf achten, unsere Wahrnehmung für die guten Dinge, die wir erleben zu stärken, denn diese bringen uns Freude, Entspannung und Lebensglück.

Motivationen – immer und immer wieder neu – helfen uns, uns weiter zu entwickeln und das Leben als etwas Wertvolles, Liebens- und Beschützenswertes zu sehen.