Bewegungen, die Spaß machen und Gesundheit bringen

In Nepal müssen die Kinder in Zukunft Yoga lernen, wenn die Schulen wieder öffnen, so stand es kürzlich als Schlagzeile in der SVZ. Mein Herz hat vor Freude einen Sprung gemacht. Ja, welch ein hervorragender Plan, schade, dass sich unser Bildungsministerium bisher nicht dazu durchringen konnte. Ich fände das so wunderbar. In den letzten Wochen habe ich gesehen, wie anpassungsbereit und wissbegierig unsere Jugend ist. Die meisten Jugendlichen tragen ohne Murren und Widerstand ihre Masken, verzichteten auf Treffen mit Freunden und machten mehr oder weniger intensiv ihre Schulaufgaben online. Sie akzeptieren die Situation, die Vorgaben und nehmen extrem viel Rücksicht, um ihre Großeltern oder Verwandten mit chronischen Erkrankungen nicht in Gefahr zu bringen. Was also läuft schief? Wann entgleitet uns die Einsicht, das gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung gesund und wertvoll für uns sind? Ich glaube, hier versagen wir als Eltern und auch unser Bildungssystem. Anstatt als gutes Vorbild voranzugehen und uns viel mit unseren Kindern draußen zu bewegen oder auch eine gemeinschaftliche Sportart zu finden, sind wir zu sehr mit unserer Arbeit beschäftigt, mit dem Erledigen der Alltagstätigkeiten, Kochen, Aufräumen, Einkauf, Job….. So sind unsere Kinder viel sich selbst überlassen, oft dürfen sie, vor allem wenn sie kleiner sind nicht allein rausgehen und werden lieber vor dem Fernseher oder einem Hörspiel geparkt. Dazu dann noch was Süßes, damit wir unser schlechtes Gewissen beruhigen und so geht es dann Tag für Tag, Jahr für Jahr bis es für die Kleinen selbstverständlich geworden ist. Das ist kein Vorwurf, verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich war und bin ja selbst nicht viel besser. Was tun meine Kinder, während ich dies hier gerade für Sie schreibe? – Fernsehen!

Aber geben wir uns doch mal einen Ruck, versuchen wir doch mal, ein klein wenig die Stellschrauben in unserem Leben zu drehen, jetzt wo es Sommer ist, wo es so schön ist, sich draußen aufzuhalten, den Vögeln beim Zwitschern zuzuhören vielleicht auch irgendwo an einem kleinen Teich den Fröschen beim Quaken zu lauschen.

 

Hier ein paar Tipps für Groß und Klein gemeinsam draußen in Bewegung zu kommen: 

1.       Waldspaziergänge – wie wäre es, mal wieder Heidelbeeren zu sammeln oder ein paar wilde Himbeeren zu pflücken? Aber selbst, wenn dies nicht Ihr Ziel ist, sind Spaziergänge im Wald phänomenal gesund und entspannend. Besonders, wenn die Luft noch feucht ist, da dann besonders viele der Duftstoffe durch die Luft schwirren. Diese Stoffe, über die die Bäume auch miteinander kommunizieren sollen, heißen Terpene. Terpene stärken unser Immunsystem. Es konnte nachgewiesen werden, dass wir durch Waldluft mehr von unseren natürlichen Killerzellen bilden. Das sind weiße Blutkörperchen, die uns vor Krankheiten schützen. Zusätzlich enthält Waldluft 90 % weniger Staubteilchen als Stadtluft. Durch die Waldluft, das Vogelgezwitscher und den Anblick der Bäume wird unser Erholungsnerv, der Parasympathikus stimuliert, der uns beim Abbau von Stress hilft. Nehmen wir uns doch vor, alle 14 Tage einen gemeinsamen Familienspaziergang in einem schönen Mischwald zu unternehmen.

2.       Joggen – Vielen wird es schwer fallen, aber eigentlich ist joggen ein Gesundheitsbooster schlecht hin. Man darf es nur nicht übertreiben und glauben, man ist noch so gut drauf wie vor 20 oder 30 Jahren. Wenn Sie mit dem Joggen wieder anfangen, dann tun Sie das in Maßen und mit Respekt für Ihren Körper. Optimaler Weise können Sie Ihr Trainingstempo durch das Tragen einer Pulsuhr kontrollieren. Sorgen Sie während der Einstiegswochen für Wechsel in den Intensitätsstärken, die diese Uhren angeben. Sie sollten versuchen, in einem Pulsbereich von 100-150 Herzschlägen / Minute zu laufen, nicht die ganze Zeit bei 150 oder mehr! Machen Sie dann lieber Pausen, in denen Sie zügig weitergehen. Wer ohne Pulsuhr laufen möchte, der sollte sich ein festes Schema vornehmen und mit 2 Minuten laufen und 1 Minute gehen anfangen und Woche für Woche je nach Gesundheitszustand und Tagesform steigern. Beim Gesundheitsjoggen geht es nicht darum, alte Bestzeiten zu schlagen oder der Beste zu sein, es geht darum, sich wohl zu fühlen, die Gelenke nicht zu überlasten, aber auch darum, das Herz-Kreislaufsystem zu stärken ohne es zu überfordern. Wer sich am Tag nach der Joggingrunde schlecht fühlt oder Schmerzen hat, der hat es übertrieben. Laufen stärkt auch unsere Muskulatur, die dabei Muskelhormone freisetzt, sogenannte Myokine, die enormen Einfluss auf unsere Gesundheit haben und uns langsamer Altern lassen. Laufen ist, wie auch jede andere Sportart, ein Jungbrunnen. Es gibt Untersuchungen, das Alterungsprozesse durch angepasste sportliche Betätigung verlangsamt werden. Des Weiteren kräftigen wir unser Immunsystem und verjüngen unser Abwehrzellen, die dann besser in der Lage sind, uns vor Krankheiten und Umweltgiften zu schützen. Und ist es nicht schön, zu merken, dass es funktioniert? Wie viele Menschen würden gerne mal wieder Joggen, aber können es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr! Mit diesem Bewusstsein geben Sie sich den zusätzlichen Kick!

3.       Schwimmen – Jetzt im Sommer kann man auch endlich mal wieder ins kühle Nass springen. Der Kältereiz stärkt unsere Abwehr und löst zahlreiche Reparaturprozesse aus. Aber auch das Schwimmen hat gesundheitliche Vorteile. Im Wasser sind wir leichter als an Land. Bewegung im Wasser ist also gelenkschonend und durch den Wasserwiderstand anstrengend zugleich. Beim Schwimmen strecken Sie Ihre Muskeln und Gelenke, so dass Verspannungen und kleine Verdrehungen gerade im Bereich der kleinen Zwischenwirbelgelenke sich wieder lösen können. Falls Sie Probleme mit der Halswirbelsäue haben, sollten Sie darauf achten, eher das Rücken- als das Brustschwimmen zu nutzen, um so Überstreckungen zu vermeiden. Wer nicht Schwimmen mag, der kann an der Ostsee lange Strandspaziergänge machen, um seine Waden- und Fußmuskeln zu trainieren und dabei ab und zu Kältereize setzen, indem er mit nackten Füßen und Unterschenkeln durchs Wasser watet. Am Strand können Sie auch viele Aktivitäten mit Ihren Kindern genießen, angefangen vom Beachvolleyball, Fangespielen bis hin zum Drachensteigen lassen.

4.       Radfahren – Radfahren ist gesund, wenn man es an ungefährlichen Orten tut. Beim Radfahren kann man das Tempo je nach Lust und Laune regulieren. Auch durch die Streckenwahl können Sie unterschiedliche Trainingsreize setzen. Auf bergigen Touren werden Sie mehr Trainingsreize und -effekte setzen als bei gemütlichen Radtouren über ebene Flächen. Aber wie es auch sei. Radfahren ist gelenkschonend und trainiert unsere Beinmuskulatur, aber auch unser Herz-Kreislauf- System. Auch dies ist eine Sportart, die Sie mit Leichtigkeit als Familienevent verpacken können, erst recht, wenn Sie sich noch ein paar gesunde Snacks für ein Picknick in Ihre Fahrradtaschen tun.

5.       Tischtennis, Feder- oder Basketball – Egal für welche Ballspielart Sie sich entscheiden, Sie werden Freude haben und mal wieder richtig ins Schwitzen kommen. Das Gute an Ballsportarten ist zum einen der Gemeinschaftscharakter, zum anderen aber birgt dieser Sport eine besonders gute Geheimwaffe gegen Gebrechlichkeit im Alter: Koordinationstraining. Durch Koordinationstraining stärken Sie Ihre Fähigkeit, Stürze zu vermeiden, und Sie betreiben gleichzeitig eine Demenzprophylaxe, denn bei koordinativen Übungen erhalten Ihre Gehirnzellen den Reiz zu wachsen und neue Verknüpfungen einzugehen.

 

Sie sehen, ich habe Ihnen keine Neuheiten des Bewegungssports gezeigt, aber ich habe Ihnen hoffentlich Lust darauf gemacht, es mal wieder mit etwas mehr Bewegung pro Woche zu versuchen, um fit und vital und möglichst ohne Krankheiten oder Gebrechen alt zu werden.

Denken Sie immer dran, wir haben den Großteil unserer Gesundheit selbst in der Hand. Unser Körper wird es uns danken, wir werden froh sein, es richtig gemacht zu haben und unsere Kinder werden sich freuen, wenn wir mit unseren Enkeln so richtig intensiv spielen können.

Vielleicht ist es auch Ihr großer Traum, im Alter nochmal weit durch die Welt zu reisen? Auch dazu wäre es unendlich vorteilhaft, fit und vital zu sein.