Zauberformel: ausgewogene Work-Life-Balance

Wahrscheinlich könnte ich ein Buch darüber schreiben, was sich hinter dem Ausdruck ausgewogene Work-Life-Balance verbirgt und vor allem auch, welchen enormen gesundheitlichen Nutzen man daraus ziehen kann.

Ich bin der Meinung, dass diese Dinge in unserer heutigen Gesellschaft völlig vernachlässigt werden. Eigentlich müsste man schon im Schulalter damit anfangen, die Kinder und Jugendlichen dafür zu sensibilisieren und ihnen vermitteln, wie man für diese Ausgewogenheit sorgt und was man dadurch erreicht. Es würden nicht mehr so viele Menschen gestresst zum Arzt gehen, weil die psychische Überforderung zu ernsten funktionellen oder später sogar organischen Schäden führt und auch die ständig zunehmenden psychischen Erkrankungen und Erschöpfungszustände wären dadurch zum Großteil zu verhindern.

Tatsächlich hatten nämlich unsere Eltern und Groß- bzw. Urgroßeltern mindestens genauso lange Arbeitstage wie wir, gefolgt von einer für uns inzwischen fast unvorstellbaren Menge an körperlich anstrengender Arbeit im Haushalt (wie Wäsche waschen mit der Hand oder noch im Kochtopf, Schleudern, Bügeln, Abwaschen von Hand, zu Fuß die Einkäufe erledigen, Kohlen aus dem Keller holen, um schon früh am Morgen die Wohnung heizen zu können). Trotzdem waren die Menschen ausgeglichener und nicht so genervt. Die Balance zwischen körperlicher und geistiger Anstrengung hat einfach gestimmt. Beim Abwaschen konnte man erzählen oder vielleicht sich auch einfach nur an schöne Zeiten erinnern.  Der körperliche Ausgleich half, um Gedankenschleifen erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Heute sieht unser Leben bei den meisten Menschen ganz anders aus. Nach dem Weckerklingeln ist bei vielen noch vor dem Aufstehen die erste Tat der Griff zum Handy, um zu schauen, ob jemand eine Nachricht geschrieben hat oder ob es Neuigkeiten in den Sozialen Netzwerken bei Facebook oder Instagram gibt. Und oft sind dann die ersten Gedanken des Tages nicht positiv motivierend sondern entweder enttäuscht, dass die Freundin oder der Freund noch immer nicht geantwortet haben, dass irgendjemand etwas Schlechtes gepostet hat, dass unsere Kommentare bei Facebook nicht geliked sondern eher gedisst worden sind oder das irgendwo in der Welt schon wieder etwas Schreckliches geschehen ist, etwas was wir nicht beeinflussen können, was uns aber emotional mitnimmt oder sogar ängstigt. Der Kopf (unser Gehirn) ist also sofort in den maximalen Arbeitsmodus getrieben worden und während wir unsere Morgenroutine verrichten, kreist so mancher Gedanke zu unseren sozialen Verbindungen. Der Weg zur Arbeit wird oft mit dem Auto, Bus oder Zug zurückgelegt, auch dort gilt es meist, sich zu konzentrieren und körperlicher Ausgleich durch Bewegung fehlt. Die meisten von uns haben eine eher geistig anspruchsvolle Tätigkeit, denn bei den körperlich anstrengenden Arbeiten hat die Revolution der Technik die Menschen doch ziemlich entlastet. Viele sind multitaskingfähig, d.h. können mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen und switchen so den ganzen Arbeitstag zwischen Computer, Handy und Besprechungen und Ausformulierungen hin und her. Die Arbeitsintensität hat sich in den meisten Bereichen durch Arbeitskräftemangel aber auch durch die erheblichen Nebenkosten, die ein Arbeitgeber zur Anstellung eines Arbeitnehmers abführen muss, verdichtet, immer mehr Arbeiten werden auf immer weniger Schultern abgelegt. Ich schreibe das nicht, weil ich ein notorischer Nörgler bin, sondern weil ich genau diese Geschichten tagtäglich in meiner Praxis höre und ich denke, dass es mehr als an der Zeit ist, den Menschen begreiflich zu machen, dass jeder selbst die Verantwortung für sein Leben tragen muss. Es kommt niemand vorbei und sagt: „Komm lass mal, ich sorge für dich!“. Diese Einstellung erleben wir nur während unserer Kindheit durch die uneingeschränkte Liebe unserer Eltern zu uns, sofern wir das Glück hatten, dass unsere Eltern uns so innig geliebt und gewollt haben. Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist, dass Eltern diese Funktion ausüben, dieses Urvertrauen an ihre Kinder weitergeben, sie zum einen immer unterstützen und ihnen helfen, im Leben die wahren Werte zu erkennen und den richtigen Weg für sich zu finden und zum anderen auch immer da zu sein, wenn mal etwas schief gelaufen ist. Denn wenn wir unsere Kinder so erziehen, dann werden auch diese es mit ihren Kindern so machen und die Menschen werden mutig, weil sie sich mit Rückhalt positiv entwickeln konnten. Was hat das Ganze nun mit ausgewogener Work-Life-Balance zu tun?

Wir sollten versuchen, in unserem Leben immer bei uns selbst zu bleiben. Das heißt, unsere Bedürfnisse zu erkennen und unser Leben dementsprechend zu gestalten. Sicher kann man sich an Vorbildern orientieren und ihnen nachstreben, aber nicht jeder kann das Gleiche im Leben schaffen, denn wir alle sind Individuen mit ganz unterschiedlichen Kräften, Fähigkeiten und Reserven. Liegt uns eine Tätigkeit nicht, so müssen wir viel mehr Energie dazu aufbringen, sie mit der gleichen Qualität zu erfüllen, wie jemand, der es frei und voller Leidenschaft und Hingabe macht. Wie anstrengend eine Tätigkeit für uns ist, ist also nicht nur von der Tätigkeit an sich abhängig, sondern vor allem auch von unseren persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen. Redet jemand zum Beispiel gern vor großen Gruppen, werden Vorträge ihn beflügeln und mit Freude erfüllen und wenn das Thema stimmt, zu dem er sprechen muss, kann er dabei sogar Entspannung und Wohlbefinden entwickeln, während andere, für die größere Gruppen schon beim Zuhören eher zu Unbehagen führen, durch eine solche Aufgabe völlig gestresst und körperlich und geistig erschöpf werden. Es ist also wichtig, dass wir möglichst früh im Leben erkennen, wo unsere Stärken und Fähigkeiten liegen und unsere berufliche und familiäre Entwicklung diesbezüglich gestalten. Bin ich eher ein Stadtmensch oder ein Landei, liebe ich es eine Familie und viele Kinder um mich zu haben oder bin ich eher jemand der Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten braucht. Liebe ich es, mich eher körperlich zu verausgaben oder bin ich eher der geistig arbeitende Typ? Mit Beachtung dieser Grundprinzipien kann man sich selbst das Leben schon erheblich einfacher machen. Sie sollten ruhig ab und zu darüber nachdenken, ob Sie die Arbeit, die Sie tagtäglich tun mögen. Wenn ja, dann freuen Sie sich darüber , dass Sie das Glück haben, einen Beruf auszuüben, der Sie erfüllt, falls nicht, so können Sie entweder darüber nachdenken, sich beruflich zu verändern oder, da das ja häufig nicht einfach zu realisieren ist, zumindest darüber nachdenken, welche Vorteile Ihr Job Ihnen bietet, zum Beispiel ein stets pünktlicher Feierabend, um sich und seine Hobbies oder die Familie zu kümmern, oder eine sichere Geldquelle, um sich seinen Lebensstandard zu erhalten, nette Kollegen, bei denen man sich wohl fühlt oder auch, dass Ihre Arbeit wirklich wichtig ist, weil Sie anderen Menschen helfen und Sie so Teil von einem großen Ganzen sind…… Wenn Sie sich an diesen Dingen bewusst erfreuen, dann werden Sie auch im Job mehr innere Zufriedenheit haben und Ihren Beruf als geringeren Stressfaktor erleben. Und im privaten Bereich gilt eigentlich ähnliches. Bei unseren Stressuntersuchungen sehen wir auch in diesem Bereich häufig Stresszustände, die langfristig erschöpfend oder schädigend wirken können. Was für den einen eine mega Freude ist, zum Beispiel mit den Kindern zu spielen oder Einkäufe zu erledigen, kann für andere sehr energieraubend sein. Auch dort kann man in Familie und Partnerschaft mit Sicherheit gute Lösungen finden, damit die Zufrieden- und Ausgeglichenheit aller wächst. Es kann ja jeder mal 10 Dinge aufschreiben, die er gar nicht mag und 10, die er lieber oder gern tut. Danach hat man eine gute Basis, um in einem vertrauensvollen Gespräch das Familienleben evtl. etwas umzugestalten. Tun Sie das nicht, leiden Sie vielleicht völlig unnötig, weil die Lösungen ganz leicht herbeizuführen wären und manchmal zerstört so eine dauernde Frust- und Überforderungsdenkweise sogar Freundschaften und Familien.

Da wir aber angetreten sind, um Ihnen bei den Lösungen zu helfen, möchte ich Sie motivieren, etwas mehr in sich hineinzuhören und Ihrem Körper vielleicht vor allem ab und zu eine Auszeit von der Denkarbeit zu geben. Wandertage oder Spaziergänge am Wochenende, ein lustiger Film im Kino oder Fernsehen, Ihr Hobby der Garten oder das Motorrad, Malen, Singen, Sport treiben, Sauna oder einfach nur mal ein Entspannungsbad, all diese Dinge helfen Ihnen, durch geistige Ruhepausen emotionale Stabilität zu fördern. Denken Sie daran, wir alle haben ein autonomes, d.h. selbstständig arbeitendes Nervensystem, dessen Haupttaktgeber der starke Sympathikus ist, der für Reaktionsschnelle und Leistung sorgt und dessen Gegenspieler, der Parasympathikus ist, der für Ruhe und Entspannung in uns verantwortlich ist. Das fein abgestimmte Gleichgewicht zwischen beiden ist das, was wir mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance erhalten, der Wechsel zwischen leistungsstarken Phasen und Ruhe bringenden Erholungszeiten. Diese Feinabstimmung ist in meinen Augen der große Schlüssel, um mit Hilfe einer ausgewogenen gesunden Ernährung sehr vital, sehr lange und gut zu leben.

Falls Sie nicht wissen, woran Sie mit sich selbst sind, können Sie mit unserer 3-Tages-Lifestyle-Analyse Klarheit bekommen, wie hoch Ihr Stresslevel ist , was Sie besonders stresst und wie und wann Sie sich am besten regenerieren. Die Auswertungen sind so phänomenal und zielführend, vergleichbar mit dem Sichtbarwerden Ihrer körperlichen Zusammensetzung in der Körperanalyse. Während wir vorher immer noch denken, ach egal, wir kriegen das schon hin und Stress hat ja jeder und ich werde schon Glück haben und mich wird es nicht treffen, sieht man durch die Analyse ganz genau, ob Sie nachts noch ausreichend regenerieren, um Ihre Ressourcen nicht zu verlieren und welche Dinge Sie vielleicht doch völlig falsch bewerten , so ähnlich wie manche erst schwarz auf weiß lesen müssen, dass sie aus viel zu vielen Kilogramm Fett und viel zu wenig Muskelmasse bestehen, um endlich ihre Ess- und Bewegungsgewohnheiten umzustellen. Dieses Sichtbarmachen der eigenen Defizite, ausgedruckt auf einem Blatt Papier, öffnet bei vielen Menschen den Weg zur Einsicht und zum Handeln.

Also versuchen Sie:

1.       Ihre Arbeit mit Spaß und Freude zu erfüllen

2.       Ihr Freizeit- und Familienleben so zu gestalten, dass Sie sich damit ausreichend erholen.

3.       Sorgen Sie täglich dafür, kurze Auszeiten für sich zu haben, wie zum Beispiel eine 5 Minuten Pause, um tief und   ruhig durchzuatmen, oder ohne irgendetwas anderes zu tun eine Tasse Tee oder Kaffee zu trinken.

4.       Versuchen Sie sich täglich mindestens 6000 Schritte zu bewegen (optimal wären 10000)

5.       Schlafen Sie ausreichend (6-7 Stunden sollten es möglichst sein) und unter optimalen Bedingungen, so dass Sie   sich danach erholt fühlen und Spaß daran haben, den Tag zu gestalten.

6.       Versuchen Sie Handy- und Computerfreie Zeiten einzurichten und das Handy erst nach einem   wohleinstimmenden Morgenritual zu benutzen, um Nachrichten zu checken.

7.       Pflegen Sie Ihre Hobbies.

8.       Machen Sie im Jahr mindesten einen zusammenhängenden 2-wöchigen Urlaub (idealer wären 3   zusammenhängende Wochen).

9.       Bewegen Sie sich ausreichend an der frischen Luft.

 

10.   Gönnen Sie sich jeden Tag eine Kleinigkeit, die Sie ganz bewusst nur für sich selbst tun.