Neueste Forschungen zeigen: Wir besitzen ein zweites Gehirn - das Darmhirn


Frischverliebte haben Schmetterlinge im Bauch, Schlechte Nachrichten schlagen auf den Magen oder drehen den Magen um. Redewendungen, die mittlerweile von der Wissenschaft bestätigt wurden: Wir haben ein zweites Gehirn in unserem Darm. Dieses Darmhirn hat einen enormen Einfluss auf unsere Gefühle.

Unsere Gefühle und Emotionen entstehen im Gehirn. Doch denken Sie einmal an Situationen, in denen Sie verliebt waren oder eine schlechte Nachricht erhalten haben. Wie haben sich diese Gefühle auf Ihren Körper ausgewirkt? Möglicherweise hatten Sie kein Kribbeln im Kopf als Sie an Ihren Verehrer/ Ihre Verehrerin gedacht haben, sondern hatten Schmetterlinge im Bauch. Und wahrscheinlich hat sich die schlechte Nachricht nicht auf Ihren Kopf geschlagen, sondern hat Ihnen den Magen umgedreht. Dies lässt bereits vermuten, dass unser Magen-Darm-Trakt eng mit unseren Gefühlen gekoppelt ist. Ist unser Magen-Darm-Trakt aber lediglich Signal-Empfänger aus dem Gehirn oder steuert dieser Bereich selbst Prozesse in unserem Gehirn?

 

Das zweite Gehirn

Auch wenn das Thema “Darm“ in der Gesellschaft häufig tabuisiert wird, gilt der Darm als eines der interessantesten Organe unseres Organismus. Schließlich befinden sich ca. 100 Billionen Mikroorganismen, umhüllt von mehr als 100 Millionen Nervenzellen in unserem Darm. Das sind mehr Bakterien, als Körperzellen und mehr Neuronen (Nervenzellen), als im gesamten Rückenmark zu finden sind.

Unser Darm ist also mehr als nur ein Verdauungsorgan. Eine wichtige Funktion der Nervenzellen in unserem Darm ist die Steuerung des Verdauungssystems. Darüber hinaus ist unser Darm auch das größte Immunorgan im Organismus. Schließlich sitzen mehr als 80 Prozent aller Abwehrzellen in ihm, die dafür sorgen, dass potenziell gefährliche Fremdstoffe unschädlich gemacht werden.

Dank dieser Funktionen wird der Darm bzw. die darin lebenden Mikroorganismen auch als "Superorgan" bezeichnet. Forscher vermuten mittlerweile sogar, dass sich durch das Mikrobiom eine Reihe von Krankheiten heilen lassen.

 

Die Darm-Hirn-Achse

Die Kommunikation zwischen unserem Darm und unserem Gehirn findet über die Darm-Hirn-Achse statt. Die Weitergabe von Informationen erfolgt über Nervenverbindungen im Rückenmark, das enterische Nervensystem (ENS) und den Nervus Vagus. Eine weitere Möglichkeit der Kommunikation zwischen dem Darm und dem Gehirn besteht durch Hormone, kurzkettige Fettsäuren (SCFA) und die Aminosäure Tryptophan, die von Darmbakterien produziert werden.

 

Neurotransmitter im zweiten Gehirn

Neurowissenschaftler haben festgestellt, dass das Nervensystem in unserem zweiten Gehirn den Zelltypen, Rezeptoren und Neurotransmittern in unserem Kopfhirn entsprechen.

Neurotransmitter sind für die Informationsweiterleitung verantwortlich und spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Psychosen und Depressionen. Medikamente, die bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden, sollen beispielsweise die Konzentration des Neurotransmitters Serotonin in den Gehirnen erhöhen. Allerdings nutzt auch der Darm Serotonin zur Informationsübertragung, was dazu führt, dass Nebenwirkungen dieser Medikamente sich meist auf den Magen-Darm-Trakt beziehen. Durch Verabreichen von derartigen Medikamenten können Störungen in der Informationsübertragung des Darms verursacht werden.

 

Potenzial des Darms

Forscher vermuten, dass sich durch das Mikrobiom eine Reihe von Krankheiten heilen lassen. Doch wie ist das möglich? Eine kanadische Studie zeigt auf, dass eine spezielle Ernährung entscheidenden Einfluss auf das Stressempfinden von Mäusen hat. In der Studie wurden Mäuse in ein Wasserbecken gesetzt, in welchem sie nicht stehen konnten. Der Teil der Mäuse, die eine spezielle Bakterium angereicherte Ernährung erhielt, wies ein erhöhtes Durchhaltevermögen im Wasserbecken und ebenso weniger depressive Symptome als die andere Testgruppe auf. Das verabreichte Bakterium beeinflusst die Produktion des Neurotransmitters GABA, welches für die Beruhigung und Entspannung verantwortlich ist und bei der Behandlung von Angststörungen und Depressionen eingesetzt wird. Dies lässt vermuten, dass eine bestimmte Ernährung Einfluss auf komplexe Verhaltensweisen haben kann, indem z.B. die Konzentration von Neurotransmittern erhöht oder reduziert wird. Der Einsatz von Medikamenten ist im Vergleich zur Veränderung der Bakterien im Darm sehr schwer. Der Grund hierfür liegt an der Blut-Hirn-Schranke, die körperfremden Stoffen und daher auch Medikamenten den Zutritt ins Gehirn verwehrt. Wissenschaftler sehen daher zukünftig die Lösung der Behandlung von Störungen im Gehirn mit einem gesunden Mikrobiom im Darm.

 

Wirken Sie also in Zukunft durch eine gesunde Ernährung positiv auf Ihr Darmmikrobiom ein und fördern so Ihre Stressresistenz und Ihre Gesundheit. Hören Sie öfter wieder auf ihr Bauchgefühl!